Niagara Falls

Das Stativ – Nur etwas für Profis?

Es ist erstaunlich, aber kaum ein Zubehörteil wird so sehr mit professioneller, oder zumindest ambitionierter, Fotografie assoziiert wie das Stativ.

Warum soll ich denn ein Stativ benutzen? Es geht doch auch so.

Natürlich braucht man nicht immer ein Stativ, aber es hilft natürlich besonders bei Sonnenuntergangsaufnahmen, wenn die Schatten und die Verschlusszeiten länger werden.

Ganz unabhängig von der Tageszeit „zwingt“ einen das Stativ dazu, sich genau mit dem Subjekt zu befassen, das man fotografieren möchte. Man achtet viel genauer auf den Bildaufbau, da man kleine Fehler schon vor der Aufnahme in Ruhe korrigieren kann, die man bei einem Bild „im Vorbeigehen“ vielleicht erst zuhause am Rechner gesehen hätte.

Woher kommt nun dieser Mythos, dass nur Profis ein Stativ benutzen?

Liegt es am Preis?

Vielleicht. Ein gutes Stativ mit Kopf beginnt bei etwa 150,- bis 200,- €. Oft gibt es bei größeren Fotohändlern oder Ketten auch Stative der Eigenmarke, die das Budget etwas schonen. Gut heißt in diesem Fall aber „nur“ stabil, besonders leicht ist es dann noch nicht.

Oder an der Größe bzw. Gewicht?
Da ist ein weiterer Grund, der viele von der Benutzung eines Stativs abhält. Es ist groß und schwer.

Ein „normales“ Aluminium-Stativ, wie z.B. das Manfrotto 055, wiegt in der Aluminium-Version schon ohne Kopf 2,5kg, die Carbon-Variante immer noch 2kg. Transportfertig sind die Stative immerhin noch ca. 65cm lang.
Dazu kommt noch ein Stativkopf mit ca. 400-600g Gewicht. Spezialvarianten können auch noch deutlich schwerer sein, aber die sind für Reisefotografen eher weniger interessant.

Worauf muss ich beim Stativkauf achten?
Zuerst einmal muss man sich darüber im Klaren sein, dass mit Stativ in der Regel nur die Stativbeine bezeichnet werden, d.h. allein damit kann man noch keine Kamera befestigen. Nur bei „Reisestativen“ sind die Stativköpfe normalerweise dabei, da diese auf minimale Transportgröße optimiert wurden.

Zuerst sollte man sich fragen, wieviel man bereit ist zu tragen/transportieren. Wenn man oft mit dem Auto zu den Locations fährt und dort auch nicht weit laufen muss ist das Gewicht zu vernachlässigen. Bei Flugreisen und langen Wanderungen sieht das schon anders aus. Leider kann man nicht alles haben und deshalb schlägt hier leider das „magische Dreieck des Stativkaufs“ zu:

Dreieck Stativ - Stabilität - Gewicht - Preis

Stabilität, Preis und Gewicht sind direkt abhängig voneinander, Sie müssen sich für 2 davon entscheiden.

Damit kann dann auch schon die Entscheidung für einen Werkstoff fallen. Aufgrund des absoluten Gewichts fallen für Fotoreisende Holz und Stahlstative sehr schnell aus der Auswahl, es bleiben nur noch Aluminium und Carbon übrig.
Aluminium ist bewährt und wird schon seit Jahrzehnten im Stativbau verwendet. Es ist stabil, aber, im Vergleich zu Carbon, schwerer und leitet wie jedes Metall Wärme und Kälte. Deshalb sollte man unbedingt darauf achten, dass das Wunschstativ über Schaumstoffummantelungen an den Stativbeinen verfügt.
Carbon ist leichter als Aluminium aber auch sehr viel teurer. Zudem kann es bei einer Überlastung unsichtbar beschädigt werden und dann plötzlich brechen. Mein Carbon-Stativ hat allein letztes Jahr 16 Flüge unbeschadet überstanden und ist mittlerweile schon über 3 Jahre alt. Bei ordentlicher Behandlung dürfte es im normalen Reisealltag wahrscheinlich so manche Kamera überleben.

Die Höhe des Stativs spielt natürlich eine große Rolle beim Kauf, denn schließlich sollte man damit ja noch gut arbeiten können. Zu der Höhe des Stativs kann man gut noch ca. 20 cm für Stativkopf und Kamera dazurechnen. Allerdings sollte man die Mittelsäule nicht ganz ausreizen, denn dann wird es bei schlechten Bedingungen (Wind) schnell instabil. Auch die unterste Sektion bei „Reisestativen“, die auf geringes Gewicht und Packmaß optimiert sind, ist dann schon nicht ideal. Aber dafür wiegen Reisestative normalerweise unter 2 kg inklusive Stativkopf und sind transportfertig nur etwa 40 cm lang.

Vergleich Reisestativ (oben) - normales Stativ

Vergleich Reisestativ (oben) – normales Stativ

Beim Stativkopf gibt es verschiedene Varianten zur Auswahl, aber auch hier beschränke ich mich, für die bei Reisenden beliebteste Variante, den Kugelkopf.
Generell geben die Hersteller ein Maximalgewicht für die Kamera an, das auch nicht überschritten werden sollte. Zur Sicherheit achte ich hier immer darauf, dass es mindestens doppelt so hoch ist, wie die montierte Kamera-Objektivkombination. Verfügen die Objektive über eine Stativschelle, empfiehlt es sich diese auch zu nutzen, da dann das Gewicht deutlich besser verteilt ist. Zusätzlich zu dem Freiheitsgrad der Kugel, finde ich hier eine Panoramaverstellung im Sockel des Kugelkopfs sehr sinnvoll, da man so den Ausschnitt einfach ändern kann ohne die Kamera erneut ausrichten zu müssen. Die Kamera wird mittels einer Adapterplatte an dem Stativkopf befestigt, so das es sinnvoll ist bei mehreren Stativköpfen immer das gleiche Plattensystem zu wählen, damit man nicht irgendwann die falsche Platte dabei hat. Die bekanntesten Systeme sind hier „Swiss-Acra“ und „Manfrotto“.
Stativköpfe gibt es etwa ab 60,- €.

Verschiedene Stativköpfe

Verschiedene Stativköpfe

Auf Reisen mit dem Flugzeug gehört das Stativ zwingend ins Aufgabegepäck, man sollte also das Gewicht einkalkulieren und das Stativ entsprechend auswählen. In einigen Sehenswürdigkeiten, besonders Aussichtsplattformen und Stadien, sind Stative aus Sicherheitsgründen verboten.

Der Mythos des Profis mit Stativ kommt aber vermutlich daher, dass die meisten Fotografen ihr Stativ nur dann aufbauen, wenn es das Motiv auch wert ist. Und das ist natürlich immer da der Fall, wo die schönsten Bilder entstehen und die schönsten Orte sind. Und selbst ohne Stativ werden an diesen Orten die Bilder noch so gut, dass man sich denkt, wenn der diesen Platz findet, dann muss er ein Profi sein.